Jan-Lennard Struff hat Arthur Fils im Halbfinale der European Open in Brüssel mit 6:4, 6:7(7), 7:6(5) geschlagen und trifft heute im Finale auf Tallon Griekspoor. Der Deutsche schaltete den topgesetzten Spieler des Turniers, einen Top-10-Profi, in einem Match aus, das erst im Tie-Break des dritten Satzes entschieden wurde.
Für Struff ist es ein historischer Meilenstein: Laut ATP ist er der erste Deutsche, der in diesem Turnier ins Finale einzieht, und es ist sein erstes ATP-Finale seit dem Titel in München 2024.
Die European Open sind ein ATP-250-Turnier in der Halle, das am 19. Oktober begann, mit 28 Spielern aus 13 Nationen im Tableau. Der Sieger erhält 250 Punkte, der Finalist 165 – Zahlen, die für Spieler zwischen Platz 55 und 60 der Weltrangliste wie die beiden heutigen Finalisten viel bedeuten.
Das gestrige Match begann ideal für Struff, der den ersten Satz mit 6:4 gewann, dank starkem Aufschlag und aggressivem Return. Fils ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und glich im zweiten Satz aus: Nach einem hart umkämpften Tie-Break, den er mit 7:6(7) gewann, ging das Halbfinale in den dritten Satz.
Das Finale war ein Krimi. Laut ATP lag Struff im Entscheidungssatz zweimal mit einem Break zurück; beim Stand von 4:5, als Fils zum Matchgewinn aufschlug, nahm der Deutsche ihm den Aufschlag zu null ab und glich zum 5:5 aus. Im Tie-Break behielt er die Nerven und gewann ihn mit 7:5, nach zwei Stunden und 18 Minuten Spielzeit.
Danach bedankte sich Struff beim Publikum. „Es war ein unwirkliches Match“, sagte er nach der Partie, wie die ATP berichtet, und fügte hinzu: „Ich habe es geschafft, im dritten Satz zweimal einen Breakrückstand aufzuholen.“ Schlichte Worte für ein Comeback, das seinen Tag gut zusammenfasst.
Der Weg des Deutschen in Brüssel wurde von Runde zu Runde stärker. Er begann mit einem 7:6(3), 7:6(3) gegen Marcos Giron, schlug dann den Belgier Gauthier Onclin im Achtelfinale mit 6:4, 6:2 und im Viertelfinale Zizou Bergs mit 6:3, 7:6(6). Mit dem Sieg über Fils sind es vier Erfolge in Folge, drei davon mit mindestens einem Tie-Break im Ergebnis.
Um die Bedeutung dieses Ergebnisses zu verstehen, lohnt ein Blick auf seine Saison. Struff erreichte das Viertelfinale in Wimbledon, das ihm 400 Punkte einbrachte, und erreichte am 13. Juli mit Platz 41 sein bestes Ranking. Seitdem hat er an Boden verloren: In Peking schied er im Achtelfinale gegen Daniil Medvedev aus (6:4, 6:3), in Shanghai in der zweiten Runde, wieder gegen Medvedev (4:6, 6:4, 6:3).
Auch für Fils ist das Ergebnis bitter, doch seine Woche war nicht schlecht. Der Franzose zog dank der kampflosen Aufgabe von Jaume Munar ins Achtelfinale ein und schlug dann im Viertelfinale Alex Michelsen mit 6:4, 7:6(12), in einem extrem langen Tie-Break. Mit dem Halbfinale nimmt er 100 Punkte mit, in einer Saison, in der er das Masters 1000 von Cincinnati gewann und im Finale Frances Tiafoe mit 6:3, 1:6, 6:0 besiegte.
Nach Cincinnati wurde Fils' Weg allerdings holpriger: In Tokio stoppte ihn im Viertelfinale Valentin Vacherot (7:5, 4:6, 6:4), in Shanghai in der dritten Runde Botic Van De Zandschulp (7:5, 6:4). Brüssel war die Gelegenheit, wieder Siege aneinanderzureihen, in dem Turnier, in dem er 2023 das Finale gegen Alexander Bublik mit 6:4, 6:4 verloren hatte.
Der direkte Vergleich steht nun ausgeglichen 1:1. Das erste Duell war in der dritten Runde des Masters 1000 von Paris 2024, wo Fils 6:3, 6:4 gewann. Gestern ging die Revanche an Struff, in einer deutlich engeren Partie.
Der Finalgegner Tallon Griekspoor kam ebenso mühsam in den letzten Akt. Der Niederländer schlug Max Schoenhaus mit 7:6(3), 6:7(5), 7:5, dem längsten Match des Turniers mit 38 Spielen, dann Mariano Navone mit 7:6(4), 7:5 und im Viertelfinale Jiri Lehecka mit 4:6, 6:4, 6:3. Im Halbfinale drehte er das Spiel gegen Francisco Cerundolo und siegte 2:6, 6:3, 7:6(4): Drei seiner vier Matches gingen in den dritten Satz.
Griekspoor ist 30 Jahre alt und beendete die vergangene Saison mit 29 Siegen und 23 Niederlagen, darunter ein Titel. Zwischen 2021 und 2025 gewann er bei den von der Seite verfolgten Turnieren drei Titel in vier Finals. In dieser Saison hat er bereits Alexander Zverev in Montreal geschlagen (6:7(3), 6:2, 6:4) – ein Zeichen dafür, wie unbequem er für die Besten sein kann.
Im direkten Vergleich startet Struff mit einem Handicap: Nach den Daten der Seite führt Griekspoor 2:0. Das jüngste Duell war 2025 in der dritten Runde des 500ers von Doha, 7:6(5), 7:6(7); das erste in der ersten Runde der US Open 2021, als der Niederländer in fünf Sätzen gewann, 2:6, 7:6(3), 4:6, 6:4, 7:5. Beide Duelle wurden von ganz wenigen Punkten entschieden.
Wer auch gewinnt: Der Name auf der Siegerliste wird neu sein. 2025 ging der Titel an Felix Auger-Aliassime, der im Finale Lehecka 7:6(2), 6:7(6), 6:2 schlug; 2024 gewann Roberto Bautista Agut, erneut gegen Lehecka (7:5, 6:1), 2023 Bublik gegen Fils und 2022 wieder Auger-Aliassime, gegen Sebastian Korda (6:3, 6:4).
Das Finale bringt zwei unterschiedliche Stile zusammen: Struffs Aufschlag und Druck von der Grundlinie gegen Griekspoors Beweglichkeit und Konstanz. Struff, mit einem Titel und vier Finals zwischen 2021 und 2025 laut Seite, sucht den zweiten; Griekspoor, mit drei Titeln im selben Zeitraum, will einen weiteren in die Vitrine stellen.
Für Struff würde ein Sieg bedeuten, eine schwierige Saison mit einem unvergesslichen Ergebnis zu beenden und in der Rangliste aufzusteigen; für Griekspoor, seinen Aufwärtstrend der letzten Monate zu bestätigen. Wir verfolgen das Finale Punkt für Punkt: Updates und die Live-Rangliste finden sich auf den Seiten des Turniers und der beiden Spieler.
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3 Fragen zu dem, was du gerade gelesen hast.
1. Wer besiegte Arthur Fils im Halbfinale?
2. Mit welchem Ergebnis schlug Griekspoor Cerundolo?
3. Wie viele Punkte bringt der Titel in Brüssel?